Highway 9…wunderschön, doch überraschend touristisch

Beschriebener Streckenabschnitt: Mount Carmel Junction bis St. George (USA 🇺🇸): 162 km;  3 Tage (19.10.2016 – 21.10.2016)

Am Mittwoch, 19.10., ging’s von der Mount Carmel Junction tatsächlich weiter in Richtung Zion National Park auf dem Highway 9. 

Kurz nach der Abzweigung trafen wir bereits zum dritten Mal Paul, einen ca. 50-jährigen Briten, der bereits zum achten Mal alleine eine Runde in Utah mit dem Rad dreht. Auch bei diesem dritten Treffen führt Paul nahezu einen Monolog, doch mit der wichtigen Information, dass alle Campingplätze im Zion Nationalpark und dem naheliegenden Örtchen Springdale ausgebucht sind. So beschlossen wir, uns einen Stellplatz mit Paul kurz vor dem Eingang zum Nationalpark zu teilen.Dann wurde mal ausgiebig geduscht und anschliessend die gesamte Wäsche in die Waschmaschine gesteckt. 
Ein kleiner Exkurs, wie das Kleider waschen auf Langzeitradreisen funktioniert: Ich habe erwartet, dass wir ein Jahr Handwäsche machen, doch dem ist nicht so! In Island waren immer mal wieder (zum Glück, da in diesem Land die Wäsche nie getrocknet wäre) und in den USA sind sogar oft Waschmaschine und Trockner auf Campingplätzen vorhanden. Das ersparrt wirklich viel Arbeit! Am Anfang unserer Reise überlegten Johannes und ich lange, welches Kleidungsstück bei welcher Temperatur etc. gewaschen werden sollte und welches in den Trockner getan werden darf…doch das ist viel zu kompliziert haben wir gemerkt! Mittlerweile tun wir einfach unsere gesamte Wäsche (egal ob Merinohemdchen oder Unterwäsche) in die Waschmaschine, dazu irgendein Waschmittel, welches wir auf einem Campingplatz in Island gefunden haben und seitdem mittragen (dank Johannes seiner endlosen Kraft) und studieren dann meist eine Weile herum, wie die Maschine gestartet werden kann (ihr könnt euch nicht vorstellen wieviel unterschiedliche Waschmaschinenmodelle es gibt…). Bezüglich Temperatur (falls man diese überhaupt einstellen kann) haben wir uns auf 40°C geeinigt. Anschließend kommt alles in den Trockner. Stellt euch nun vor, all unsere Kleider sind noch in wunderbarem Zustand…weder zu klein noch verfärbt! Was lernen wir daraus: Wir machen uns zu Hause viel zu viel Gedanken, wie welches Kleidungsstück gewaschen werden kann..die heutigen Waschmaschinen haben alles im Griff 🙂 
Am nächsten Morgen, Donnerstag, war es eiskalt und unser Wasser im Wassersack war seit langer Zeit wieder mal gefroren. Wir duschten gleich nochmals – man weiss ja nie wann die nächste Dusche wieder kommt. Während Paul gemütlich Toast zum Frühstück zubereitete (ja es gibt tatsächlich einen zusammenklappbaren Campingtoaster!), packten wir schnell unsere Sachen zusammen, da es uns eindeutig zu kalt war zum frühstücken. Nutellabrote gab’s erst später in der Sonne (die Nutella war dann aber immer noch steinhart..)!

Eine wunderschöne Abfahrt durch den Zion Canyon, umgeben von Felsen in Rot- und Orangetönen und herbstlich verfärbten Bäumen, folgte. Wir genossen jeden Meter und das Glück eines Radfahrers ist, dass er nahezu überal stehen bleiben kann wo er will – ich bin mir sicher, dass uns bereits viele Autofahrer in den Nationalpärken dafür beneideten. Da auf dieser Strecke sich ein 1,5km langer unbeleuchteter Tunnel befindet in welchem Fahrrad fahren verboten ist, mussten wir Autostoppen. Zum Glück fanden wir gleich einen PickUp-Fahrer, der uns und unsere Räder durch den Tunnel mitnahm. 

Beim Visitor Center angekommen, trauten wir unseren Augen kaum: eine lange Menschenschlange vor dem obligatorischen Shuttle Bus für die Fahrt in den zweiten Seitenast des Zion Canyons. Johannes und mir wäre nun am liebsten gewesen, das gesamte Gepäck im Visitor Center einzustellen und mit dem Shuttle (wenn’s doch schon mal einen Gratis Shuttle gibt..) zum höchsten Punkt des Canyons zu fahren um danach nochmals eine Abfahrt durch den Canyon machen zu können (Räder sind im Gegensatz zu Autos nach wie vor auf dem Zion Canyon Scenic Drive erlaubt). Diesen Plan bzw. Wunsch erklärte ich anschliessend einer jungen Rangerin, mit kugelrundem Hintern. Sehr freundlich sagte sie gleich, dass die Fahrt dem Rad durch den Canyon eine sehr gute Idee sei, das Gepäck nicht eingestellt, aber mit dem Shuttle mittransportiert werden könne. Aber eigentlich würde sie uns dringenst empfehlen, u.a. auf Grund der langen Menschenschlange, auf das Shuttle zu verzichten und in beide Richtungen des Canyons zu radeln. Das sollte ja kein Problem sein für uns, wo wir doch täglich radeln. Nein, und ich hatte mich doch schon so auf das Shuttle gefreut!! Ich hätte gerne die Rangerin gesehen, wie sie nach knapp 4000 Kilometer auf dem Sattel auf ein Gratis Shuttle verzichtet…
Auf jeden Fall ging’s dann wirklich samt Rad und Gepäck in den Canyon: es war weder lang (26 Kilometer insgesamt) noch steil (100 Höhenmeter Höhendifferenz) und wirklich sehr schön. Das Beste: drei Kletterer mitten in einer steilen Felswand!

Am Nachmittag ging’s zackig aus dem Nationalpark hinaus, Richtung Westen. Kurz nach Virgin, wir beide mal wieder, richtig hungrig, dann ein grosses Schild: Best Buffalo Burger of the World. Das klingt doch überzeugend, oder? Der Besuch des kleinen Restaurants an der Strasse stellte sich auch wirklich als lohnenswert heraus. Mit grosser Freude wurden wir von einer Kellnerin, die anscheinend ursprünglich aus der Schweiz stammt, begrüsst. Mit uns noch zwei weitere Gäste. Viermal wurde der Buffalo Burger bestellt, zur grossen Freude des Koches, der sehr stolz auf seine Spezialität war. Und immer wieder wurde nachgefragt, ob alles in Ordnung ist, Cola nachgeschenkt oder Smalltalk gehalten (dass man den Burger zum Beispiel ja nicht mit Besteck essen darf). Wir vier Gäste wurden bestens betreut und gleichzeitig unterhalten (sowas könnte man sich in Europa gar nicht vorstellen)!!! Als wir dann alle fast gleichzeitig mit dem Burger fertig waren, wurden wir sofort über das Tagesdessert vom Koch informiert. Schön brav, bestellten wir jeweils ein Stück Kuchen. Und dieser Kuchen (in unserem Fall mit Kürbis), war so unheimlich gut, so dass wir gleich ein zweites Stück bestellten. Als der Koch von der erneuten Bestellung erfuhr, sah man ihm seine innerliche Freude so richtig an.

Mit gefülltem Bauch ging’s in die nahegelege Wüste, wo wir unser Zelt aufstellten und die weitere Route durch Kalifornien planten.

Am Freitag dann nach St. George, wo wir am Mittag ankamen. Hier, der ersten grösseren Stadt nach Gran Junction, gehen wir auf die Suche nach einem Fahrradständer für Johannes‘ Rad (der Alte ging am vielem Gepäck zugrunde…).  Momentan muss noch eine Colaflasche erhalten…☺

Momentaner Standort: St. George

Nächstes Ziel: Las Vegas

Regula

2 Gedanken zu „Highway 9…wunderschön, doch überraschend touristisch“

    1. Hallo Irene,

      Es ist hier auch wunderschön und wir kommen gut voran. Das schöne an solch einer Radreise idt, das man zwar relativ langsam, aber doch wann immer man will weiterkommt. Aus unserer Sicht das perfekte Reisemittel um viel zu erleben.

      Lg johannes

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