Death Valley – dem Todestal mit Müh und Not wieder entkommen!

Beschriebener Streckenabschnitt: Las Vegas bis Ridgecrest (USA 🇺🇸): 548 km; 8 Tage (26.10.2016 – 01.11.2016)

Nach unserem Las Vegas Abenteuer machten wir uns am Mittwoch, den 26. Oktober, auf den Weg zum Death Valley. Bis wir dort ankamen gab es aber noch zwei Übernachtungen ausserhalb des Nationalparks. 

Die erste Nacht verbrachten wir kurz nach dem Red Rock Canyon. Kaum hatten wir dort unser Zelt aufgestellt und das Essen ausgepackt, da bekamen wir auch schon Besuch von einer Herde wilder Esel. Die Esel schnupperten neugierig an unseren Sachen und rochen wohl das Essen, weshalb sie sich nicht so richtig vertreiben liesen. Erst als ich wie ein Hund bellte, rannte  sie schleunigst weg und liesen uns dann auch die ganze Nacht in Ruhe.

Am Donnerstag fuhren wir dann weiter Richtung Pahrump. Relativ bald kamen wir an Schildern vorbei die anzeigten, dass vor uns eine Baustelle ist und Fahrräder deshalb nicht erlaubt sind. Da die Alternativstraße für uns einen Umweg von 4 Tagen bedeutet hätte fuhren wir auf dem Straßenbankett in Richtung Übergang weiter bergauf. Da das ganze natürlich nicht erlaubt war, wurden wir schon nach ein paar Kilometern von Bauarbeitern angehalten. Als wir ihnen von unserer Reiseroute erzählten, staunten sie so sehr, dass wir unter zwei Bedingungen weiterfahren durften: 1) wir mussten weiterhin auf dem Straßenbankett bleiben; 2) wir mussten versprechen, sie nie getroffen zu haben (so konntem sie gegenüber anderen keine Probleme bekommen). Am Ende der Baustelle (insgesamt schlussendlicht 10km) passierte  dann aber etwas, was uns schlagartig gaaaaaannnnz wichtig machte. Ein LKW mit Anhänger blieb auf der Baustelle beim Versuch vom freien Fahrstreifen auf die Baustelle einzufahren stecken und blockierte damit den Verkehr komplett. Die einzigen die durchgewunken wurden waren wir zwei, da wir mit den Rädern leicht vorbeikamen. Die Autos stauten sich schnell zu einer längernen Schlange auf. So bekamen wir quasi die Ehre allen Autofahrern, die uns entgegenkamen und im Stau warten mussten zu erzählen, warum nichts mehr weiterging.

Nachdem wir den Anstieg zu Mittag geschafft hatten, ging es rasant nach Pahrump fast ausschließlich 50km lang hinunter beziehungsweise flach mit Rückenwind- das machte Spaß! In Pahrump erledigten wir noch ein paar Einkäufe im Supermarkt  (sogar im Supermarkt waren Glückspielautomaten) und fuhren dann zu Karin&Bill, wo wir die Nacht verbringen wollten. Wir hatten mit ihnen über „WarmShowers“ Kontakt aufgenommen. Gleich nach der Ankunft fuhr Karin mit uns zu einem Straßendurchstich bei welchem, als die Straße gebaut wurde, eine Gesteinsschicht gefunden wurde, die es sonst nirgendwo auf der Welt gibt und daher vermutlich durch einen Meteoriteneinschlag entstand.

Danach gingen wir mit ihnen in ein nettes kleines Restaurant essen – es schmeckte lecker. Eigentlich wären wir in dieser Gegend nicht auf eine Unterkunft angewiesen, doch Warmshowers ist von Zeit zu Zeit ganz spannend, da man Einblick in einen amerikanischen Haushalt bekommt!
Bevor wir am Freitag uns auf den Weg ins Death Valley machten, luden uns Karin&Bill noch zum Frühstück in ein Casino, das nebenan noch ein Restaurant at, ein. Ein riessiges Frühstück für 3 Dollar wurde serviert – was lässt man sich nur alles einfallen um die Leute ins Casino zu bekommen…

Dann konnte es fast losgehen – fast, weil ich noch einen Platten an meinem Vorderrad reparieren musste. Wieder einmal ein Metalldraht von so einem verdammten zerfetzten LKW Reifen. Damit steht es in der unrühmlichen Plattenstatistik 6:0 für mich 🙁 .
Auf dem Weg ins Death Valley, welches ja besonders für seine Hitze bekannt ist, wurden wir von einigen Regenschauern begleitet und es war angenehm kühl. Im Death Valley bestaunten wir verschiedene Steinformationen am Zabriskie-Point und schlugen dann kurz später in einer kleinen Seitenstraße unser Zelt auf. 

Eine kleine Anmerkung hierzu: Im Death Valley ist es, obwohl es sich um eine  Nationalpark handelt, in einigen unbefestigten Seitenstraßen erlaubt zu campen. Einzige Bedingung ist, dass man die Straße mindestens eine Meile reinfahren muss. Die Straße, die wir uns ausgesucht hatten, glich mehr einem Bachbett als einer Straße und entsprechend mühsam mit viel schieben kamen wir vorwärts. Aber was macht man nicht alles um ein paar Dollar auf einem angelegten Campingplatz zu sparen und um seine Ruhe zu haben…

Der Wecker klingelte am Samstag bereits um 6:37 (Johannes  mag unkonventionelle Weckzeiten), denn wir wollten relativ früh loskommen um nicht in eine zu große Hitze untertags zu kommen. In Furnance Creek machten wir einen kurzen Stop im Visitor Center und dann ging es auch schon weiter nach Stovewell Pipes, wo wir Mittagspause einlegten. 

Im Death Valley ist man die meiste Zeit „unter dem Meeresspiegel“ unterwegs (ca. -69m bei Furnance Creek), doch nach Stovewell Pipes ging es dann konstant mit etwa 6% Steigung rauf zum Emigrant Campingplatz (um aus dem Tal wieder hinauszukommen…). 

Das mühsame an diesem Anstieg war, das es zum einen mittlerweile 35°C hatte und zum anderen die Straße so gerade mit der selben Steigung dahinging, dass sie endlos schien und mann auch das Gefühl hatte gar nicht aufwärts zu fahren. Wäre es nicht anstrengend gewesen und wären die angezeigten Höhenmeter auf der Uhr nicht gestiegen, so hätte ich manchmal gedacht ich fahre leicht abwärts. 

Als wir am Emigrant Campingplatz (stellt euch da ja nicht einen europäischen Stellplatz vor – hier in den USA wird bereits ein Platz mit Klohäuschen, Wasserhahn und ein paar Tischen als Zeltplatz bezeichnet) ankamen waren wir ziemlich erledigt und beschlossen hier unser Zelt aufzubauen. Am Abend füllte sich der Zeltplatz dann rasant und wir teilten „unseren“ Gratisplatz mit einer Amerikanerin, die keinen anderen Platz mehr ergattern konnte. Die Nacht war dann sehr heiss und windig, so dass wir beide nicht wirklich gut schliefen…

Am Sonntag wollten wir eigentlich über den Wildrosecanyon in Panamint Tal fahren um so dann spätestens am 31. Oktober in Ridgecrest anzukommen. Aber das Wetter machte uns einen Strich durch die Rechnung und zwar einen gewaltigen. Unter strömendem Regen und wiedermal sehr starkem Gegenwind kämpften wir uns Meter für Meter die 25km von unserem Ausgangspunkt auf 660m zum 1611m hohen Emmigrant-Pass rauf. 

Durch die starken Windböhen, die von allen Seiten kamen peitschte es uns den Regen ins Gesicht und wir waren sehr froh um unsere guten Regenkleider. So heftigen Regen mit Wind hatten wir noch nie auf unserer Radreise bis jetzt!! Während kurzer Regenpausen zeigte uns die Natur immer wieder sehr schöne Regenbögen – als ob sie sich damit entschuldigen wollte! Nach dem Emmigrant Pass fuhren wir noch 10km und 400hm runter zum wieder ganz einfachen Wildrose Campingplatz und schlugen bei starken Regen unser Zelt auf. Kaum ins Zelt gekrochen hörte es auf zu regnen und am Nachmittag kam sogar noch die Sonne raus. Da der Wind nicht nachlies und es so richtig gemütlich im Zelt wurde, war’s das aber mit Rad fahren an diesem Tag…
Am Montag Morgen las Regula zuerst mal ihren Krimi fertig  (Radfahren hat doch nicht immer oberste Priorität) und dann trockneten wir all unsere Sachen so gut wie möglich (das errinnerte an Island…). 

Durch ein enges Tal ging’s dann auf einer eigentlich gesperrten Strasse ins Panamint Valley  (ein Ranger ermutigte uns trotz Sperre diese Straße zu nehmen…). Aber wir bangten lange, ob eine Durchfahrt wirklich möglich ist. Falls nicht, wären die Konsequenzen fatal für uns gewesen…

Der Himmel war wieder blau, doch es war deutlich kühler als die Tage zuvor. 

Nach dem Panamint Valley mussten wir schon wieder über eine Gebirgskette strampeln – doch dieser Übergang war zum Glück nur noch 900 müM hoch. Anschliessend eine lange Abfahrt nach Trona – einer wirklich hässlichen Stadt unserer Ansicht nach. Die Häuser waren größtenteils heruntergekommenen, es gab viele Mülldeponien, die Minen sahen gefährlich aus und die Stadt befand sich mitten in der Wüste und zusätzlich noch in det Nähe eines Waffentestgeländes. Obwohl’s uns nicht gefiel, war die Durchfahrt sehr eindrücklch.

Kurz vor Ridgecrest zelteten wir dann abends. Die ganze Nacht zogen heftige Windböen über unser Zelt, so dass Schlafen nur schwer möglich war. Auch mussten wir mitten in der Nacht das Zelt abspannen bzw. gelöste Heringe wieder neu festigen. Am Morgen war’s dann windstill als sei der Sturm nur ein böser Traum gewesen…

Fazit: Death Valley – dem Todestal mit Müh und Not entkommen, doch überraschenderweise war die Hitze nur eine von vielen Herausforderungen!

Anmerkungen: Von Halloween war hier nicht viel zu spüren. Wir hatten auch nicht das Gefühl, dass das hier gross gefeiert wird…

Momentaner Standort: Ridgecrest 

Nächstes Ziel: Los Angeles via Highway 14

Johannes & Regula 

Ein Gedanke zu „Death Valley – dem Todestal mit Müh und Not wieder entkommen!“

  1. Hallo ihr zwei,
    ich gratuliere euch zu der grandiosen Wüstendurchquerung. Ihr habt das super gemacht und eine echte Not gar nicht erst zugelassen. Sogar die Halloween-Geister in Form von Sturm und Regen(bögen) konnten euch nichts anhaben. Wir genießen während dessen in der warmen Stube eure Bilder 🙂

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