Frühling, Sommer, Herbst und Winter hier in Kalifornien!

Beschriebener Streckenabschnitt: San Louis Obispo bis Monterey (USA 🇺🇸): 286 km ; 4 Tage (11.11.2016 – 15.11.2016)

Die letzten vier Tage sind wir entlang des Küstenabschnittes Big Sur geradelt. Endlich die von uns bereits schon lange erwartete Idylle, denn von Los Angeles bis nach San Louis Obispo waren die Strände schön, doch die Strassen und der Verkehr waren unangenehm. Entlang von Big Sur war so ziemlich alles perfekt: steile Klippen, unberührte Narur, einspurige Strassen mit tlw. breitem Seitenstreifen, deutlich weniger Verkehr und ein paar Überraschungen (Zebras, Seehundkolonien und ein einmalig schöner Zeltplatz). Ja, es gibt sogar einen Ort entlang von Big Sur der Harmony heisst!

Kurz zum Zeltplatz: Nie hätten wir diesen kleinen Platz über den steilen Klippen direkt hinter der Strassenböschung gefunden, wenn es nicht schon dunkel geworden, der nächste Campingplatz noch weit entfernt gewesen und wir nicht schon lange auf der Suche nach einem passenden Plätzchen gewesen wären. So unangenehm diese Situation im Moment war, dieses eine Mal war sie genau unser Glück! 

Anmerkumg: Man könnte solche Stresssituationen vermeiden wenn man einfach immer schön vom einen zum anderen Hiker/Biker Campingplatz (meist schön gelegen und billig für Radfahrer) fährt. So machen’s die meisten Radfahrer. Johannes und ich lieben es jedoch zu sehr unser „eigenes“ Plätzchen zu finden und dementsprechend unsere Etappenlänge frei wählen zu können. Doch wir sahen ein, dass das entlang Big Sur schwierig bis unmöglich ist und schlossen uns ab dem nächsten Tag dem Hiker/Biker Trott an. 

Entlang von Big Sur ging’s generell nur langsam voran, da es ein reines Auf und Ab war. Dann noch die wirklich schon kurzen Tage, der Hiker/Biker Sites Zwang und die Tatsache, dass Johannes gerade vertieft in die Krimi-Triologie (Verblendung, Verleumdung, Vergebung) von Stieg Larsson ist – schlussendlich benötigten wir über einen Tag länger für die Strecke als geplant und das Essen ging uns komplett aus. Heute in Carmel waren wir und unsere Bäuche sehr froh, endlich wieder vor einem Supermarkt zu stehen! Doch Big Sur war so unheimlich schön zu fahren, dass wir jede Minute genossen! Doch wir merkten auch das wir langsam wieder in kühlere und feuchtere Gegenden kommen (das Zelt ist nass am Morgen, es gibt grüne Wiesen nicht nur auf Grund von Bewässerung…). Auch lag einen ganzen halben Tag lang dichter Nebel über dem Ozean – zum Glück löste sich dieser doch langsam gegen Mittag auf!

Am heutigen Tag hatten wir, zumindest auf einem Teil der Strecke, dann auch endlich den schon lange erwarteten starken Gegenwind aus Norden. Ja, ihr lest richtig, ich habe auf Gegenwind gewartet! Mein Kopf war auf Grund von Büchern („fahren Sie die Pazifikküste nie von Süd nach Nord“) und Kommentaren der Amerikanern („Oh, you do it the hard way round“), bereits so auf diesen Gegenwind eingestellt, dass ich fast schon darauf gewartet habe…Wie ihr aber seht, ist es möglich im November 500 Kilometer am Stück von Süd nach Nord ohne starken Gegenwind an der Pazifikküste zu radeln!

Im Supermarkt, draußen kühl und bewölkt, dröhnte dann ein lautes „Jingle Bells“ durch die Lautsprecher. „Oh Gott, die Welt spielt verrückt!“, dachte ich mir. Noch vor 5 Tagen lagen wir bei 30°C am Strand unter Palmen, vor 3 Tagen fuhren wir an endlosen Erdbeerfeldern vorbei (und verspeiste dementsprechend auch viele) und gestern aßen wir einen feinen Kürbiskuchen an einem Strassenstand. All das sind typische Sachen, die wir Europäer ganz klar verschiedenen Jahreszeiten zuordnen. Hier in Kalifornien bekommt man alles gleichzeitig – und zwar Mitte November! 

Auf jeden Fall war’s heute wirklich kühl und wir saßen uns gerne in Starbucks hinein. Obwohl die Weihnachtsspecials schon alle erhältlich gewesen wären, entschieden wir uns für den altbekannten Chai Latte und surften im Internet (u a. wie treiben wir am besten ein Visum für China auf und welche Warmshowers sind verfügbar um baldmöglichst eine Waschmaschine wieder zur Verfügung gestellt zu bekommen…). Aber das Schönste ist immer, wenn wir eine positive Rückmeldung auf unseren Blog bekommen! Solche Rückmeldungen geben uns – hier in der Ferne -das Gefühl, dass der Blog geschätzt wird! Das spornt unheimlich zum Weiterschreiben an. Vielen lieben Dank an dieser Stelle für all eure Kommentare und Rückmeldung per Mail!

Am Abend ging’s dann zum Campingplatz in Monterey (Veterans Memorial State Park). Dieser liegt ganz oben auf dem Hügel der Stadt – eine Folterprozedur für müde, nasse Radfahrer! Dafür dann aber Duschen, doch leider getrennt nach Geschlecht. Denkt nicht, dass Johannes und ich gar nicht mehr ohne den andere können, doch beim Duschen sind wir aufeinander angewiesen, da wir nur ein Shampoo mit uns tragen. Bei getrennt geschlechtlichen Duschen bedeutet das also, dass einer Warten muss (natürlich besonders schlimm, wenn man in nassen Kleidern steckt und es kalt ist…). In dem Moment, als Johannes verkündet, dass doch ich zuerst duschen gehen soll, macht mein Herz ein Luftsprung. Zu betonen ist, dass Johannes das nicht mürrisch sagt, sondern sogar noch mit dem wunderbaren Nebensatz, dass ich mir doch ja genügend Zeit lassen soll. In diesen Momenten bewundere ich Johannes, dass er sowas sagen kann – ich kann es nicht!

Als ich aus den Duschen herauskomme, steht Johannes, wie so oft, plappernd vor der Tür. Wir werden wirklich oft von Amerikanern angesprochen, die Genaueres über unsere Reise wissen wollen. Das ist wunderbar, da wir dadurch immer wieder das Gefühl bekommen hier willkommen zu sein!

Aktueller Standort: Monterey

Nächstes Ziel: San Francisco (juhu – bald ist das Ziel erreicht!)

Regula

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