Die plötzlich kurze Zeit bis zum „36 Stunden Flug“

Beschriebener Streckenabschnitt: San Francisco (USA 🇺🇸): 171 km mit dem Rad ; 6 Tage (29.11.2016 – 04.12.2016)

Bei meist sehr schönem, aber kühlem Wetter ging’s am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag (29.11. – 01.12.) durch die wunderschönen States Park im Norden von San Francisco (China Camp, Samuel P. Taylor, Mount Tamalpais). Wenn man’s nicht gesehen hat, dann kann man kaum glauben, dass man so unberührte Natur so nah von San Francisco findet (ca. 30 Kilometer)! Motiviert die steilen Pässe im Hinterland von San Francisco noch zu erklimmen, hat uns unter anderem der Tipp von Dirk: Es soll eine wunderschöne, versteckte heisse Quelle in der Nähe von Stinson Beach geben. Den steilen Weg zum Meer hinunter fanden wir tatsächlich, doch leider war gerade Flut, sodass die Quelle unter dem Meer „versteckt“ blieb…Schade!

Kurz vor der Golden Gate Bridge, beschlossen wir unsere Ausrüstung für China parat zu machen. So verbrachten wir einen ganzen Nachmittag auf einem wunderbar gelegenen Steg mit vielen Möwen am putzen, auswechseln und aussortieren. Was man doch für schöne Örtchen findet, wenn man kein Dach über dem Kopf hat!

Vor dem Abendessen in San Francisco dann ein Mail von meinem Papa mit dem Betreff „Flug Hong Kong, ACHTUNG“. Er meinte eigentlich, dass wir uns die Uhrzeiten falsch notiert hatten, da es den Anschein machte, dass der Flug 36 Stunden dauert. Dieses Mail veranlasste uns unser Flugticket mal genau anzuschauen (die Buchung wurde schon vor sehr langer Zeit gemacht…). Wir realisierten, dass wir tatsächlich am 4. Dezember in San Francisco abfliegen, doch nicht wie von uns angenommen abends, sondern bereits um 5 Minuten nach Mitternacht! Das bedeutet für uns einen ganzen Tag weniger in San Francisco…Zum Glück kam dieses Mail, obwohl die Uhrzeiten eigentlich überall stimmten – der Flug macht aufgrund einer Flugzeit von 15 Stunden und dem Sprung über die Datumsgrenze tatsächlich den Anschein, dass er 36 Stunden dauert. 

Nach diesem kleinen Schock ging’s zu einem neuen Warmshower-Host. Wieder wurden wir sehr freundlich in Empfang genommen und bekamen ein nettes Plätzchen zum Schlafen!

Obwohl am Freitag allerhand erledigt werden musste (Wäsche, Einkäufe, etc.), hatten wir das Glück, dass DER Outdoor Laden von San Francisco (Sports Basements), wo 80% all unserer Problemchen erledigt werden konnten, im spannenden Viertel „Mission“ lag. Dreiviertel vom Tag verbrachten wir im Laden, doch es blieb zum Glück noch Zeit um die bekannten Wandmalereien zu bewundern und Tacos essen zu gehen. Die solllen hier besonders gut sein (uns schmeckt einfach all das mexikanische Essen, das hier, wohl durch die echten Mexikaner und der Nähe zur Heimat, alles um Welten besser ist als bei uns zu Hause).

Am Abend gab’s ein feines Abendessen in der WG von unserem Warmshower-Host. Besonders spannend waren die Diskussion über das bedingungslose Grundeinkommen – uns war nicht bewusst, dass das auch hier ein Thema ist.

Am Samstag, 03.12., fuhren wir mit den Rädern und dem ganzen Gepäck zum Flughafen – damit haben wir tatsächlich die gesamte Strecke 4535 km in den USA mit eigener Kraft bewältigt (ausser dem ca. 3 Kilometer langen Tunnel im Zion National Park, wo Fahrradfahren verboten ist)! Wow! gesamt stehen wir auf unserer bisherigen Reise somit bei etwas über 6000km und fast exakt 400h im Sattel.

Drei Kilometer vor dem Flughafen dann das Dilemma – der erste Speichenbruch bei Johannes seinem Rad! Wir organisierten uns und fuhren mitsamt dem kaputten Rad mit der Bahn wieder ins Stadtzentrum. In unserem tollen Sportgeschäft wurde die Speiche sofort getauscht – Glück gehabt! Mit den bereits reservierten Fahrradschachteln fuhr ich zurück zum Flughafen – Johannes musste nochmal strampeln, da sein Rad zu groß für den Fahrradständer am Bus war (und der halbe Bus bereits wegen den Schachtel voll gestellt war). 

Am Flughafen ging’s nach dem vielen hin und her dann an’s Verpacken der Räder. Eigentlich waren wir beide bereits hundemüde und hatten gar keine Lust unsere Räder wieder mal „Rennrad-Karton-tauglich“ zu machen. Gut ist, dass insbesondere Johannes, bereits schon so geübt darin ist, dass es zumindest relativ schnell ging… in 2h war alles verpackt.

Pro Person ein verpacktes Rad, eine Reisetasche à max 23 kg, ein Handgepäck à max. 7 kg, 1 Handtasche (in unserem Fall die Lenkertasche) und der Fahrradhelm auf den Kopf: wir hatten’s wieder mal geschafft die Freigepäcksgrenzen vollständig auszunutzen, jedoch kein Übergepäck bezahlen zu müssen. Das tolle an Singapur Airlines: das Rad zählt als normales Gepäckstück, obwohl es die max. Masse deutlich überschreitet – es darf nur nicht schwerer als 23 kg sein.

Als alles aufgegeben und die Sicherheitschecks erledigt war, konnten wir endlich eindösen (so gut das eben möglich ist an einem Flughafen…).

Im Flugzeug freuten wir uns über feines Essen, hübsche Stewardessen und gut funktionierende Bildschirme. Zufrieden ging’s in Richtung Hongkong, wo wir am Montag, 05.12. um 08:00 (1 Stunden Verspätung) morgens ankamen (nach 22 Stunden Dunkelheit) und nun gespannt die Hochrechnungen der Wahlen in Österreich studieren…

Aktueller Standort: Flughafen Hongkong

Nächstes Ziel: Kowloon (Tai An Guesthouse) – noch keine Ahnung wie auf Grund der vielen Autobahnen…

Regula

Ein Gedanke zu „Die plötzlich kurze Zeit bis zum „36 Stunden Flug““

  1. Schade, schade, dass ihr nicht bei Niedrigwasser an der Quelle wart. Aber laut dem einen Bild seid ihr glaube ich schon an der richtige Stelle gewesen. Immerhin, dann findet ihrs beim nächsten Mal (vorher die Uhrzeit für Niedrigwasser checken!) leicht wieder. 😉

    Herzlichen Glückwunsch, dass ihr es durch die USA geschafft habt und einen guten Start in China!

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