Im Bann der Kulturen


Beschriebener Streckenabschnitt: Penang (Malaysia 🇲🇾) – Ho Chi Minh City (Vietnam 🇻🇳); 92 km; 3 Tage (03.03.2017 – 05.03.2017)

Während fast der gesamten Schifffahrt von Langkawi nach Penang ärgerten wir uns über das Schiffahrtsunternehmen – wie kann man nur ein Schiff, welches mit Folie abgeklebte Fenster hat, auf dieser Strecke einsetzen? Nichts sahen wir während der gesamten Fahrt und mussten darum 2 1/2 Stunden einem Disney Trickfilm Beachtung schenken.

In Georgetown angekommen, ging’s gleich zur Unterkunft, wo wir freundlich von einem grossgewachsenen Inder anfangs 40 begrüßt wurden. Ob wir die zwei seien, die gestern auf Langkawi festsassen, wollte er gleich wissen. Wir staunten über den Charm unseres Hostels (100 Cintra Street) und fühlten uns sofort im alten Haus sehr wohl.

Als nächstes widmeten wir uns dem Thema, wie unsere Räder auf dem Air Asia Flug nach Vietnam in zwei Tagen verpackt werden müssen. Auf der Homepage von Air Asia war’s nicht eindeutig und so fuhren wir die 18 Kilometer zum Flughafen – ist ja alles flach. Wir fuhren auf der zwei bzw. dreispurigen Autobahn, doch der Verkehr liess einfach nicht nach und so langsam realisierten wir, wie dicht Penang besiedelt ist. So viel „Auto-Verkehr“ hatten wir schon sehr lange nicht mehr, fühlten uns auch nicht wirklich wohl auf der Strasse und waren darum heilfroh als wir realisierten, dass es fast auf der gesamten Strecke einen parallel verlaufenden Radweg gibt. Während in Thailand das Verhältnis Auto zu Moped noch etwa 1:5 Betrug, so war es hier in Malaysia eher bei 3:1.

Unterwegs fing der Magen an zu knurren. Dieses Problem konnto sofort gelöst werden – ein Stand versorgte uns mit einer unbekannten tropischen Frucht, die gut und ein wenig wie Kaugummi schmeckte – Jackfruit wird sie anscheinend genannt.

Der zweite Stand stellte herausgebackene Süßkartoffeln und Gemüsekuchen zur Verfügung. Diese Marktfrau zeigt ganz wundrig auf Johannes und fragte „Husband?“. „Ja, ja“ antwortete ich. Dann schaute sie mich verdutzt an und schüttelte den Kopf „Baby????“. Ich musste schmunzeln, konnte sie aber mit der Antwort „Just married“ zufriedenstellen und Errinnerungen an Tadschikistan kamen auf, denn dort war dies auch die Standartkonversation. Scheint ein wichtiges Thema bei muslimisch gläubiger Bevölkerung zu sein…

Aber nicht nur Muslime gibt es hier auf Penang, sondern auch Inder und Chinesen. Aus diesem Grund sieht man plötzlich auch wieder Kühe frei auf der Straße herumspatzieren.

Im hochmodernen Flughafen dann nach langem hin und her fragen, die Info, dass die grösse der Räder keine allzu grosse Rolle spielt, sie nur gut geschützt verpackt werden müssen (aber nicht zwingend in einer kompletten Box – Plastikfolie reicht). Wunderbar, dass klang einfach für uns und so machten wir uns auf den Weg zurück und auf die Suche nach Fahhradkartons, denn zumindest teilweise wollten wir schon Karton rundherum haben. Drei Radläden (zwei davon hatten wir bereits in Georgetown abgeklappert) hatten nichts und ein Geschäft nur einen Karton. Mit Müh und Not transportierte Johannes diesen Karton durch den dichten Feierabendverkehr in Richtung Georgetown zum fünften Radgeschäft (Specialized Händler).

Als der Verkehr allzu dicht und chaotisch wurde, flüchteten wir aufs Trottoir und staunten wie man hier in Malysia seine Kinder von der Schule abholt. Die Kinder sassen am Boden vor der Schule, die sich direkt unter der Autobahn und neben stark befahrenen Straßen befand. Sobald das Auto oder Moped eines Elternteils vorfuhr, wurde das Kind aufgerufen und musste in Windeseile aufspringen, hinausspringen und ins Auto einsteigen beziehungsweise aufs Moped aufsteigen, so dass die Strasse nicht völlig verstopft, denn Parkmöglichkeiten gab es praktisch keine.

Der engagierte Mitarbeiter im fünften Radgeschäft erklärte uns bezüglich Radverpackung sofort, dass sei alles kein Problem, sie würden diese zwei Räder verpacken und diese, sowie uns am Sonntag zum Flughafen fahren. Nur zu ihrem Fahrradgeschäft mussten wir selbst kommen. Das alles kostet uns zusammen 64 Euro. Nach langem hin- und herüberlegen, müde vom Suchen und Transportieren von geeingnetem Verpackungsmaterial, sagten wir zu.

Im Radgeschäft trafen wir die Tourenradler Hannah und Nadiem aus Deutschland beziehungsweise Niederlanden. Wir, endlich diese Packkartons los, und sie, mit neuen Radlagern, genossen zusammen den Radweg nach Georgetown und dort dann ein feines gemeinsames Multi-Kulti Abendessen.

Mit den beiden und noch zwei weiteren jungen durch die Welt reisenden Österreicherinnen verbrachten wir einen lustigen Abend auf Penang.

Müde ging’s spät zum Hostel, wo bereits das Kätzchen (Mr. Pickles) auf uns wartete. Endlich Katzen und keine Hunde mehr!

In der Nacht kamen dann immer mehr Zweifel auf, ob wir die Räder für so viel Geld (wenn man von Thailand kommt handelt es sich dabei um ein halbes Vermögen…) wirklich verpacken lassen sollen. Noch dazu mussten wir dabei den Mechanikern alles anvertrauen und der hatte sicher noch nie an einem Simplon Kagu herumgeschraubt. „Nein, wir machen’s selbst!“ war unser Fazit am Morgen, nachdem wir Unmengen von Gratis Frühstück im Hostel verschlungen hatten, und so gingen wir am Samstag zum zweiten Mal auf die Suche nach Verpackungsmaterial. Und so liefen wir jedem grossen Karton nach den wir sahen….

Das kann noch ziemlich lustig sein, da man sich durch Geschäfte durchzwängt, die man sonst nicht betreten würde und ein wenig die Stadt (inkl. Müllproblem) gleich auch noch sieht. Hier fischt der Kanalarbeiter mit einem Plastiksieb den Müll aus dem Kanal…

Nachdem ein Fahrradgeschäft plötzlich doch noch zwei Fahrradkartons herauskrammte (am Tag zuvor als Johannes fragte versicherte man ihm, dass nichts da ist) und man uns diese für wenig Geld abgab, hatten wir definitiv genug Verpackmaterial und machten uns mit den Kartons, Klebeband und Luftpolsterfolie auf den Weg zurück ins Hostel.

Nachdem die Waschmaschine unsere gesamten Kleider zu spüren bekam (eine richtige Waschmaschine bekamen wir schon sehr, sehr lange nicht mehr zu Gesicht) und auf dem luftigen Dachstuhl an den Schnüren hing, hatten wir endlich Zeit den Stadtkern von Penang zu erkunden.

Schon gleich fielen uns die schönen Wanddeckorationen auf..

…sowie wunderbares indisches Essen (die Inder topen nach den Mexikanern alles…) sowie ganz neue tropische Früchte, wie diese purpurfarbende Drachenfrucht.

Ein Haarschnitt für mich liegt auch noch im Budget.

Am Abend im Hostel stellte der Inder eine Flasche Rum und eine Flasche Whisky auf den Tisch und verkündete „It’s drinking Saturday!“. Schon gleich mal waren die Stühle mit den Hinterteilern unterschiedlichster Herkunft belegt und wir hatten’s so richtig lustig. Eindrücklich was für eine gute Atmosphäre die zwei Hostelangestellten (dieser Inder sowie ein ehenaliger Profifußballspieler aus Senegal) schaffen!

„It’s drinking Saturday!“ hatte Johannes dann wohl zu oft gehört und etwas zu wörtlich genommen und stattete daher der Toilettenschüssel noch einen Besuch ab, bevor’s dann viel zu spät ins Bett ging.

Am nächsten Morgen mussten wir dann müde trotz mächtigem Kater (den hatte zumindest Johannes) die Zähne zusammen beissen. Gepäck und alles Verpackungsmaterial aufs Rad und dann total überbeladen durch den starken Morgenverkehr zum Flughafen (der Radweg wird durch ständig eingebaute Hindernisse vor Mopedfahrern geschützt, doch auch wir hatten mit den vollbeladenen Rädern keine Chance bei diesen Barrieren…).

Am Flughafen versuchten wir zuerst mal unsere Räder nur in Luftpolsterfolie verpackt (und natürlich schräggestelltem Lenker, abmontierten Pedalen und leicht abgelassenen Reifen) am Schalter aufzugeben, denn dies hat den Vorteil, dass die Räder nocht gut geschoben oder getragen werden können.

Mit grossen Augen sah mich der Air Asia Mitarbeiter an und erklärte mir, dass dieses Rad (im Gegensatz zur Aussage vom Freitag) keinesfalls so akzeptiert werden kann. Es müsste „nicely wrapped“sein. Bei dem „Wrapping-Stand“ dann die Info, dass sie dieses Rad nur für umgerechnet 17 Euro in diese nutzlose Klarsichtfolie einpacken. Nicht mit uns, dann hätten wir’s ja gleich beim Radgeschäft machen lassen können.
Johannes verlangte vom Air Asia Mitarbeiter eine Definition von „nicely wrapped“. Es stellte sich heraus, dass man einfach nichts mehr ausser Verpackungsmaterial sehen darf. Gut, dann alles doch noch schnell in die Kartons und zukleben (die Zeit wurde langsam knapp…). Dieses Mal wurden die Räder akzeptiert. Uff, es scheint geschafft zu sein. Dann folgte jedoch der spezielle Schalter für Gepäck in Übergröße. Ratlos sah uns der Sicherheitsangestellte an als er diese Kartons ums Verrecken nicht durch seine Scan Maschine hindurchbrachte. Nach mehreren Telefonaten stand fest, die Kartons müssen aus Sicherheitsgründen nochmals geöffnet werden. Schnipp, Schnapp und alles war wieder offen, der Sicherheitsangestellte schaute rein, war zufrieden und wir durften wieder alles zukleben (die Zeit wurde langsam wirklich knapp…). In diesem Moment schworen wir uns das nächste Mal die Räder wieder brav zu demontieren und in einen Fahrradkarton zu verpacken….

Grenzkontrolle und Sicherheitscheck ging zum Glück schnell und so standen wir pünktlich vor den „nicely wrapped“ Air Asia Stewardessen am Flugzeugeingang.

Wir sahen wie es aus Kübeln schüttete und realisierten was für ein Glück wir hatten, dass wir am Morgen trocken zum Flughafen kamen, denn wenn nicht wäre das ganze Packungsmaterial futsch gewesen. Folglich keine nicely wrapped Fahrräder und somit kein Flug für Regula & Johannes…

In Ho Chi Minh City angekommen verdrückten wir zur Feier des Tages, denn der obligatorische Invitationletter für das Vietnam „Landing-Visum“ über die Agentur hat problemlos funktioniert und unser gesamtes Gepäck sowie die Räder sind heil angekommen, zwei Burger King Menüs direkt am Flughafen.

Ein naheliegendes Hotel (Hung Anh Hotel) war dank billiger vietnamesischer SIM Karte schnell ausfindig gemacht und so mussten wir uns nur 4 Kilometer lang durch den vietnamesischen Verkehr kämpfen bevor wir in ein sauberes Bett in einem netten Hotelzimmer fallen durften.

Aktueller Standort: Can Tho (Vietnam 🇻🇳)

Aktueller Kilometerstand: 11372 Kilometer

Nächstes Ziel: Phnom Penh (Kambodscha 🇰🇭)

Regula

2 Gedanken zu „Im Bann der Kulturen“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.