Deutsche Gastfreundschaft

Beschriebener Streckenabschnitt: Plettenberg (Deutschland 🇩🇪) – Dresden (Deutschland 🇩🇪); 766 km; 15 Tage (19.05.2017 – 02.06.2017)

Nun endlich der grosse Blogbeitrag für Deutschland – stark verspätet wie ihr sicherlich festgestellt habt. Dieses Mal haben wir realisiert wie einfach das Führen von einem solchen Blog ist, wenn man konsequent dran bleibt bzw. wie schwierig und mühsam es wird, wenn man den Faden verliert. Trotzdem versuchen wir uns nun so gut wie möglich an die Tage in Deutschland zu errinnern…

In Plettenberg (übrigens die Partnerstadt von Bludenz) wurden wir nach Strich und Faden verwöhnt. Waltraud musste jedoch am ersten Abend auf die Schnelle kreativ werden, weil sie einen mit Käse überbackenen Auflauf gemacht hatte und ich leider vergessen hatte anzumerken, dass Johannes keinen Käse mag. Aber vielleicht war das gar nicht so schlecht, denn wie komme ich ansonsten zu solch einem Käsevergnügen mit diesem Mann??

Der Frühstückstisch am nächsten Morgen lässt vermuten, was wir alles zum Essen bekamen….

Am Samstag, 20. Mai, nach dem großen und langen Frühstück gingen wir zusammen die Atta Höhle in Attendorn uns anschauen. Johannes und ich waren sehr überrascht was für schöne Tropfsteinhöhlen es hier in Nord-Rhein-Westfahlen gibt. Wir waren so mit Staunen beschäftigt, dass wir kaum dem Tempo der Führung folgen konnten, obwohl wir nicht mal Fotos machen durften…

Am Abend wieder ein wunderbares Essen von Waltraud und als danach noch die Erdbeerjoghurtbombe auf den Tisch kam, fielen uns (und insbesondere Johannes, der noch nie in Plettenberg war) fast die Augen heraus. Wir fragten uns nur wann um Himmelwillen Waltraud diese ganze Kocherei erledigt hat, denn wir redeten den ganzen Tag viel und hatten ja noch den Ausflug gemacht…

Egal wie, wir hinterfragen die geheimen Tricks der Hausfrauen nicht, denn die Erdbeerjoghurtbombe schmeckte ausgezeichnet.

Am nächsten Morgen kamen ganz überraschend zwei ihrer Söhne, einer mit Freundin, zum Frühstück. Wir freuten uns sehr und genossen das Frühstück in der grossen Runde.

Gegen 12 Uhr hiess es dann aber definitiv Abschied von Plettenberg zu nehmen. Der Himmel hatte wieder blaue Farbe angenommen, die Beine freuten sich wieder auf das Rad und die Essensvorräte waren wieder aufgefüllt. Plettenberg tat uns richtig gut, denn wir realisierten wie schön es ist wieder bekannte Gesichter zu treffen. 

Voller Motivation starteten wir so in Richtung Fulda, wo das nächste bekannte Gesicht wartete.

Nach der ersten Steigung im Sauerland, benötigten wir jedoch gleich wieder ein Päuschen, denn so fit fühlten sich die Beine dann doch noch nicht an. Und wir wussten, dass die gute Jause von Waltraud in unseren Taschen auf uns wartete.

Als wir Pause machten kamen zwei Radler (mit hochmodernen E-Mountainbikes) vorbei und fingen gleich munter an zu plaudern. Auch ihnen war Vorarlberg, wie schon anderen Leuten hier in Nord-Rhein Westfalen gleich ein Begriff. Den meisten, weil sie jährlich ins Montafon in Urlaub gehen, junge Leute war jedoch auch Hilti in Liechtenstein wegen seiner vielen Praktikanten ein Begriff. Uns war der Moment schon ein wenig peinlich, als sue den noch so kleinsten Ort in Vorarlberg kannten und wir kaum wussten, wo nun genau Bochum, Dortmund und Düsseldorf genau ist.

Da die Landschaft hügelig war und zum Glück auch verkehrsämer, wurde das Radfahren wieder abwechslungsreicher.

Auch künstlerische Projekte verschafften Abwechslung…

…und der Marmorkuchen von Waltraud gab noch lange Energie.

Abends fanden wir in dieser Ecke von Deutschland ganz einfach ein Plätzchen für unser Zelt (kein Vergleich zu den Niederlanden!), denn gerade wenn man auf Radwegen fährt, kommt man ständig an Wäldern und Wiesen vorbei. Froh waren wir jedoch um Zeckenspray, mit dem uns Waltraud reichlich versorgt hatte, denn man würde kaum glauben, wie viele von diesen gefährlichen Insekten im Gebüsch auf zwei Radfahrerwaden lauern.

Weiter und weiter ging es über viele Hügel, durch viele Raps- und Getreidefelder in Richtung Fulda. Die Radwege wurden ab der Grenze zu Hessen deutlich besser, da man weniger Zickzack fahren musste und sie gut angeschrieben waren.

Die Waden brannten trotzdem, da die Radwege oft steil angelegt waren. Da verstanden wir plötzlich wieso soviele Leute plötzlich auf einem E-bike unterwegs sind…

Wir setzen auf die Energie von Butter und Nutella…☺

Lauterbach, eine Stadt kurz vor Jena, gefiel uns ganz gut…

…aber auch dieses Tischchen im Nirgendwo mit den leeren Bierflaschen.

Kurz vor Marbach, dem Ort in direkter Nähe zu Fulda, an dem uns Katharina erwartete, mussten wir Schmunzeln, da der Radweg direkt an der Autobahn komplett gesperrt (dreifaches Fahrradverbot!) und auch keine Umleitung signalisiert war. Ohne maps.me wären wir wohl auf der Autobahn geendet…

Mein persönlicher Boxenstopp bei grosser Müdigkeit…

In Marbach wurden wir herzlichst von Katharina im ihrem Elternhaus willkommen geheißen. Katharina haben wir vor knapp zwei Jahren auf unserer Radtour durch den Pamir als mutige Solo- Radlerin getroffen und gleich ins Herz geschlossen.

Auch hier in Marbach wurden wir nach Strich und Faden verwöhnt.

So verwöhnt, dass der Hund unsere alten Karotten essen musste. Da dieser diese liebt, hatten wir auch kein schlechtes Gewissen.

Da Katharina in einem Kindermuseum (Kinderakademie Fulda) arbeitet, entschieden wir dieses uns am nächsten Tag, bereits der 24. Mai, anzuschauen.

Völlig begeistert krabbelten wir durch das begehbare Herz (eine 100 fache Vergrößerung des menschlichen Herzens)…

…und bestaunten die von Kindern umgebauten Stühle, wie etwa dieser mit Rückenkratzbürste…

…oder ein anderer mit eingebautem Ablauf.

Am nächsten Tag, glücklicherweise gerade Christi Himmelfahrt, hatte Katharina frei und wir unternahmen nach einem sehr langen Frühstück einen Spaziergang in der schönen Röhn, einem Mittelgebirge. Schon lang hatten wir nicht mehr so in den Tag hineingelebt wie an diesem Tag mit Katharina. Würde man nicht denken bei 10 Monaten Urlaub, doch Radfahren ist beim besten Willen nicht immer Urlaub…

Am Freitag ging es über die Grenze in die Gebiete der ehemaligen DDR. Zuerst aber wieder Mal der Hinweis, dass eine Strasse gesperrt ist. Strassensperren kamen hier in Deutschland öfters als gedacht vor.

Grosse Kali Abbaugebiet bekamen wir zu sehen…

…aber auch ganz vereinzelt Autos aus vergangener Zeit.

Ab Berka/Werra folgten wir nun dem West-Ost verlaufenden Radweg Nummer 4.

Eines Abends sahen wir trotz Verbotsschilder Zelte an einem schönen See aufgebaut und dachten, dass wir da mal gucken gehen müssten. Wir hatten Glück, denn ein Jugend- Angler-Camp fand gerade statt und die hatten natürlich eine Bewilligung. Die jungen Angler Freunde hatten selbstverständlich nichts dagegen, dass auch wir unser Zelt aufbauten und so hatten wir einen wunderschönen Zeltplatz.

Am nächsten Tag erreichten wir Erfurt…

…und staunten wie schön die Stadt ist.

Schon bald folgte Weimar, wo’s eine Thüringer Rostbratwurst gab.

Am Rande der schönen Parkanlagen von Weimar entdeckten wir ein kleines Bächlein, versteckt hinter Bäumen. Da es heiss war und unsere letzte Dusche wieder ein paar Tage zurück lag, entschieden wir uns für eine schnelle Wäsche. Bei Johannes klappte das wunderbar, bei mir tauchten jedoch plötzlich zwei Fischer (gerade noch Vater und Sohn) am gegenüberliegenden Ufer auf. Schnell sprang ich aus dem Wasser hinter den nächsten Baum und schrie nach Johannes, der mir das Shampoo aus den Haare mit der Spritzflasche waschen und mir die Kleider reichen musste. Die Fischer bekamen von alle dem nichts mit – da bin ich mir ziemlich sicher – obwohl sie nur wenige Meter entfernt waren.

Am Abend, am Ortsrand von Jena, staunten wir über die Grösse der Wohnanlagen. Diese stehen auch im kompletten Kontrast zur hübschen kleinen Altstadt und werden vorwiegend von Menschen mit Migrationshintergrund bewohnt, so unser Eindruck.

Als wir Jena definitiv hinter uns liessen, war es schon spät und wir waren hungrig. Ein Zeltplätzchen musste also her. Auf Grund der Dringlichkeit entschieden wir uns, unser Zelt direkt hinter Schrebergärten aufzustellen. Keine gute Idee, denn schon innerhalb weniger Minuten kam der erste Hobbygärtner, der uns klar zu verstehen gab, dass wir hier nichts zu suchen haben. Wir konnten uns mit Pinkelpause herausreden, da noch kein Gepäck abgeladen war. Nur wenige hundert Meter später waren wir am Waldrand und hatten einen schönen Zeltplatz ganz für uns alleine und konnten Jena bei Nacht in der Ferne erkennen.

Der Radweg Nummer 4 war mit Abstand am schönsten zwischen Jena und Gera, denn man fuhr durch wunderschöne Naturlandschaft.

In Gera ein grosses Mittagessen mitten im Stadtkern…

…so dass wieder Kräfte da waren um die Besonderheiten der Stadt zu erkennen.

Obwohl wir kurz nach Gera nicht mehr durstig waren, mussten wir über die nette Idee dieser Kneipe schmunzeln…

Am Abend eine grosse Portion Spätzle kurz vor der Grenze zu Sachsen, denn heimische Kartoffeln zu finden im Supermarkt war chancenlos.

Apropos: Unsere Küche wurde sehr abwechslungsreich hier in Deutschland…

Kartoffeln mit Lauch-Karotten-Rührei.

Puten-Pilz-Rahmgeschnetzeltes mit Reis

Hackfleisch-Gemüse mit Reis

Nicht vergessen: Wir haben nur einen Kochtopf mit einem Fassungsvermögen von 1.8 Liter bei uns. Grosse Kocherei ist damit gar nicht so einfach, doch wie ihr sehen könnt, ist doch nicht nur Spaghetti mit Sauce damit möglich.

Abends kurz nach Crimmitschau machten wir einen Glücksgriff bei der Wahl des Zeltplatzes. Hinter einer Wiese im Wald war nicht nur ein schön flaches ausgetretenes Plätzchen sondern auch ein Bächlein zum Waschen. Das Waschen tat sehr gut, denn die Radltage waren heiss und lang.

Schöner violetter Mohn am nächsten Tag…

…und ganz viel Blechkuchen. Pro Stück kostet dieser Kuchen, der in allen Bäckereien hier dominiert, zwischen 1 – 1.5 Euro. Da fangen wir erst gar nicht an selbst Mehlspeisen, wie Kaiserschmarrn, in unserem Töpfchen zu machen.

Der Kuchen tat gut, denn Radweg Nummer 4 war hier in Sachsen gar nicht mehr gut markiert und die Suche nach passenden Strassen brauchte viel Nerven.

Chemnitz überraschte uns mit einem hochmodernen Stadtkern, doch fesselte uns keineswegs.

Am Abend zog ein Gewitter auf, aber dieses streifte uns nur. Die Heringe lohnten sich trotzdem (oft verwenden wir keine Heringe, da unser Zelt selbstehend ist), denn die Windböen waren stark.

Am nächsten Tag ging’s durch das Erzgebirge nach Dresden. 

Zum Glück wartete dort ein nettes Warmshowers Paar, denn ansonsten wäre ich mir nicht so sicher, ob wir die Fahrt durch diese triste Gegend auf grossen Strassen überlebt hätten.

In Dresden wurden wir von Ruth und Thomas, die eine schön eingerichtete Wohnung mit Blick auf Schrebergärten (das wird in Deutschland als Kleingartenverein bezeichnet) haben. Ruth war selbst vor vielen Jahren lange mit dem Rad in der Ferne unterwegs und wusste bestens wie’s einem so als Radfahrer ergeht. 

Wir verbrachten einen sehr netten Abend mit den beiden bei feinem Essen auf dem Balkon. Es ist immer wieder erstaunlich wie schnell man sich irgendwo wohl fühlen kann, wenn man von lieben Menschen umgeben ist.

Am nächsten Tag ging’s in das Stadtzentrum von Dresden.

Zuerst hatten wir wieder Mal Hunger…

… dann ging’s zu Globetrotter. Ein Paradies für Fahrradfahrer, denn in diesem Geschäft bekommt man nahezu alles für Draussen. Nach über zwei Stunden staunen, zogen wir allerdings das Fazit, dass wir alles haben, was wir benötigen.

Dann ging’s in die Altstadt…

… die uns sehr gut gefiel. Insgesamt gefiel uns Dresden sehr gut, da wir viele junge Leute antrafen und viele von ihnen mit dem Rad unterwegs war. 

Nach einer weiteren Nacht bei Ruth und Thomas, hiess es am 2. Juni Abschied nehmen, denn Tschechien wartete.

Anmerkung: Vielleicht ist’s euch aufgefallen auf den Bildern – wir hatten nach Plettenberg fast nur noch schönes Wetter. Hätten wir nicht gedacht, dass Europa so schönes Wetter mit sich bringt…

Aktueller Standort: Zwettl (Österreich 🇦🇹 )

Aktueller Kilometerstand: 16 223 Kilometer

Nächstes Ziel: Sonnentor in Sprögnitz…um einen Eindruck vom österreichischen Kräuterparadies zu bekommen

Regula

Ein Gedanke zu „Deutsche Gastfreundschaft“

  1. Vielen Dank für eure Komplimente.
    Die Attahöhle ist die größte Tropfsteinhöhle , ich glaube, Europas, mit einem weitverzweigten unterirdischen System.
    Das Sauerland ist ansonsten wirklich waldreich mit vielen Seen und Talsperren.
    Und es geht beständig bergauf und bergab.
    Arne und Alena sind von ihrer Reise wieder zurück und lassen,wie Fabian, herzlich grüßen.

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